Warum die Subventionierung der Tageszeitungen falsch ist

Die geplante Presseförderung bewirkt das Gegenteil von dem, was beabsichtigt ist. Der Staat konserviert die Vergangenheit, statt in die Zukunft zu investieren. Das schadet dem Journalismus und damit der Demokratie.

Zeitungsleser sterben aus

Nicht alle, die Zeitungen lieben, wissen, wie schlecht es um die Presse steht. Zeitungsleser sterben aus. Fast die Hälfte von ihnen sind heute über 60 Jahre alt, jünger als 30 sind nur acht Prozent. 27 Millionen Zeitungsexemplare gab es in Deutschland kurz nach der Wende, heute sind nur 12,5 Millionen übrig. Jahr für Jahr geht es schneller bergab.

Digitale Medien kommen im Konzept der Bundesregierung nicht vor

Diese nicht unwesentlichen Details lieferte ein vor wenigen Wochen nachgereichtes, nur vierseitiges Konzept des Bundeswirtschaftsministeriums. Demnach bekommen das Geld zu 59 Prozent die Abo-Zeitungen wie die Berliner Zeitung, die Zeit oder die WAZ; 11 Prozent die Abo-Zeitschriften wie Superillu, Bravo und Hörzu, Focus, Playboy oder Bunte; und 30 Prozent bekommen Anzeigenblätter. Das sind die Kostenlos-Blättchen, die man meistens wegwirft, weil überwiegend Werbung drin ist.

ursprünglich erschienen am 21.11.2020 in der Berliner Zeitung

Wie erhalten wir die gedruckte Tageszeitung? Gar nicht

Verstehen Sie mich nicht falsch: Mir geht es nicht um ein Stück vom Kuchen. Ich will kein Steuergeld, sondern Chancengleichheit bei dem Versuch, eine Zukunft für den Journalismus zu finden. Fair wäre es, wenn die Regierung nicht die Konkurrenz finanzierte. Verleger wiederum sollten anfangen, offen über die Zukunft der meisten Zeitungen zu sprechen. Die harte, aber ehrliche Antwort auf die Frage “Wie erhalten wir die gedruckte Tageszeitung?” lautet: gar nicht. Sie ist bald kein Geschäft mehr, weil die Einnahmen schnell sinken und die Kosten noch schneller steigen.

Der Anfang des nächsten Journalismus

Ich bin neugierig auf den Moment, an dem es so nicht weiter geht. Die besten Journalistinnen und Journalisten werden dann – in Amerika ist das zu beobachten – eigene Publikationen starten, und zwar da, wo die Leser inzwischen sind: im Internet. Nischen-Medien werden entstehen mit direktem Austausch mit den Menschen, die sie finanzieren. Es wäre nicht das Ende des Journalismus, sondern der Anfang des nächsten Journalismus.

  • Krautreporter ist Online-Magazin, das nur im Internet erscheint. Die Berliner Redaktion aus etwa zwanzig Mitarbeitenden veröffentlicht täglich einen ausführlichen, hintergründigen Artikel zu Politik und Gesellschaft unter dem Motto “Verstehe die Zusammenhänge”. Statt durch Werbung finanziert sich das als Genossenschaft organisierte Unternehmen ausschließlich durch seine etwa 15.500 Mitglieder. Der Monatsbeitrag kostet 7 Euro.

Journalist. Gründer von Krautreporter und Steady.

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